DIE 10 JUDOWERTE DES DJB
Ausgearbeitet für den Württembergischen Judoverband
von Christa Hoffmann 7. Dan
Ausgearbeitet für den Württembergischen Judoverband
von Christa Hoffmann 7. Dan
1. Höflichkeit
Der Wert Höflichkeit spielt im Judo eine besondere Rolle. Zum Beispiel üben die der Sportart angepasste Kleidung, aber auch die asiatischen Rituale wie das korrekte Be- und Abgrüßen auf viele junge Menschen einen besonderen Reiz aus. Vorbilder sind die Trainer/Innen und Übungsleiter/innen. Des Weiteren bieten Judogruppen durch die klare Hierarchie der Gürtelfarben jedem die Chance zum erlebbaren und sichtbaren sozialen Aufstieg. Selbst der Schwächste kann durch eigene Leistung eine prestigeträchtigere Gürtelfarbe erreichen.
Die Höflichkeit ist Ausdruck des auf den Anderen gerichteten Interesses, was auch immer sein Wert oder seine Schwäche sei. Ausgedrückt durch Gesten und Verhalten indem man gleichzeitig seine Glaubwürdigkeit und seine Wahrhaftigkeit bewahrt. Höflichkeit äußert sich unter anderem im Zeremoniell und in der Etikette. Behandle Deine Trainingspartner, Wettkampfgegner und Mitmenschen wie Freunde. Zeige Deinen Respekt gegenüber jedem Judo-Übenden durch eine ordentliche Verneigung.
Sei nicht neidisch auf andere. Neid vergiftet Körper, Geist und Seele. Lerne von denen, die etwas besser machen als du. Benutze deine positiven Kräfte.
2. Wertschätzung
Die erzieherischen, moralischen, ethischen Judo-Werte müssen tragende Säulen bei der Ausbildung unserer jungen Judokas werden, dass Eltern gerne ihre Kinder zu dieser wertvollen Sportart schicken.
Judo als partnerbezogene Sportart mit engem Körperkontakt erzieht zwangsläufig von der ersten Stunde an spielerisch zur Rücksichtnahme. Spezielle Übungsformen schulen von Kindesbeinen an ein kameradschaftlich geprägtes soziales Verhalten. Vertrauen ist auf der Matte nebenso wichtig wie Verzeihen oder die Abstimmung der eigenen Bewegung auf die des Partners.
Mit Partnerübungen zum Aufwärmen schärft man zum Beispiel das Bewusstsein
für andere mehr, als wenn man Individualübungen macht. Die Wahrnehmung, Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination fördernden Spiele unterstützen die gegenseitige Be(ob)achtung und steuern damit dem allgemein beklagten Trend des Egoismus entgegen.
3. Hilfsbereitschaft
Judo besitzt in besonderem Maße die Fähigkeit, den Kindern Werte zu vermitteln, die weit über den Sport hinauswirken.
Im Zweikampfsport Judo benötigt man immer einen Partner. Ziel des gemeinsamen Trainings ist es, miteinander besser zu werden.
Gib dein Wissen an den schwächeren Partner weiter und versuche vom stärkeren möglichst viel zu lernen. Achte den Schwächeren für seinen Mut und den Stärkeren für sein Können. Gehe mit deinem Partner freundschaftlich und achtsam um und erweise ihm den erforderlichen Respekt. Fordere von deinem Partner sein ganzes Können und gib beim Üben mit ihm dein Bestes. So werdet ihr miteinander besser werden. Akzeptiere den dir von dem/der Trainer/ in zugeteilten Partner. Die unangenehmen Partner/innen decken deine Schwachstellen auf und zwingen dich, dich damit zu beschäftigen. In einem guten Team gilt der Leitsatz aus Alexandre Dumas „Die Drei Musketiere“: „Einer für alle, alle für einen.“ Damit ist alles Wesentliche schon gesagt.
4. Selbstbeherrschung
Judo-Schüler sollen keine Musterknaben werden, sondern selbstbewusste und liebenswerte Mitmenschen. Dies bedeutet, seine Triebe und Neigungen unter Kontrolle zu halten. Es heißt auch, sich physisch zu beherrschen und verantwortungsbewusst handeln. Die eigene Aktion hat Grenzen, wo der andere „Stopp“ signalisiert. Judo ist ein Weg zum rücksichtsvollen Umgang mit sich und anderen. So lernt man seine Kräfte zu dosieren.
Ganz wichtig erscheint dies in einer Zeit in der bei den Kindern eine Vergröberung der Sinneswahrnehmung zu erkennen ist. Wenn die Sinne abstumpfen, steigt auch die Bereitschaft zur Gewalt. Hier bietet sich gerade beim Judo eine Möglichkeit, etwas entgegenzusetzen, gewaltpräventiv zu wirken.
Jede Gewalteinwirkung am Partner spürt der zu hart agierende Angreifer unmittelbar, die Schmerzen des anderen werden hautnah mitempfunden. Diese Chance eröffnet keine Ballsportart und auch keine Sportart, die totes Gerät zum Gegenstand hat.
In der direkten körperlichen und fairen Auseinandersetzung werden Erfahrungen vermittelt, die anderswo nur schwer gemacht werden können. Damit Judo seine präventive Kraft entfalten kann, sind verantwortungsbewusste Trainer und Trainerinnen gefragt.
Wer sich entschieden hat, etwas zu tun, und an nichts Anderes denkt, überwindet alle Hindernisse.
5. Ernsthaftigkeit
Stelle deine Gedanken schon nach dem Angrüßen zu Beginn des Judotrainings positiv und voll und ganz auf die Judostunde ein. Sei ernsthaft bei der Sache. Gedanken können dich verkrampfen oder entspannen lassen. Die Gedanken wirken auf Gefühle wie Freude und Lust am Leistungsvergleich. Ärger, Wut und Enttäuschung nicht schönreden, sondern damit umgehen lernen. Man sieht es jemandem an, wenn er sehr nervös und unkonzentriert ist. Und wir sind fasziniert von der Selbstsicherheit einiger Menschen. Sei nicht neidisch auf andere. Neid vergiftet Körper, Geist und Seele. Lerne von denen, die etwas besser machen als du. Benutze deine positiven Kräfte.
Sei aufmerksam, konzentriert und ernsthaft dabei, dann machst du schnelle Lernfortschritte und wirst wie alle anderen dein eigenes Ziel erreichen. Freue dich auf das Training und die Begegnung mit deinem/deiner Trainer/in, deinen Judokameraden und Judofreunden.
„Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler.“
6. Respekt
Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus dem Respekt. Respekt hat etwas zu tun mit Ehre und diese ist eng verknüpft mit der Art, wie man mit sich und anderen umgeht. In unserer Gesellschaft scheint Respektlosigkeit immer mehr um sich zu greifen. Respektlosigkeit hat immer einen hohen Preis für beide Seiten.
„Die Gesundheit steht vor dem Erfolg.“
„Du bist immer ein Gewinner/Gewinnerin, egal wie das Ergebnis heißt.“
7. Mut
Eine Niederlage ist niemals eine Schande, wenn Du versucht hast dein Bestes zu geben. Ohne Verlierer kann es keine Sieger geben. Lerne aus den Niederlagen, schöpfe frischen Mut und neue Kraft und strebe mit vollem Tatendrang dein neues Ziel an. Hast du dein Ziel erreicht trotz Schwierigkeiten, Rückschl.gen und Hindernissen, kannst du stolz auf dich sein, dass du durchgehalten hast. Glaube immer an dich selbst.
Bedenke, dass deine Körperhaltung viel über deine physische und psychische Verfassung aussagt. Beispiel: Du krümmst dich mit vorgebeugtem Oberkörper, signalisiert dies Ängstlichkeit. Hast du keine Körperspannung jedoch aufrechte Körperhaltung zeigt es, dass du Selbstvertrauen hast und mit Mut dich den Herausforderungen stellst. Du kannst Deine Vorstellungskraft wie einen Muskel trainieren.
8. Bescheidenheit
Bescheidenheit gibt Zufriedenheit. Normale Menschen geben sich mit ihrer Situation zufrieden, ohne zufrieden zu sein. Bescheidene Menschen sind zufrieden, ohne sich mit ihrer Situation zufriedenzugeben.
Bescheidenheit heißt nicht, dass man schüchtern ist und sich zurückzieht, sich nicht traut, oder sich gar aufgibt. Jeder ist in der Trainingsgruppe gleichwertig. Tori der seinen Partner wirft und Uke der fällt. Ohne Partner kein Fortschritt.
Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten und Talente. Der Eine kann das besser, der Andere jenes.
Jeder bemüht sich wie er kann. Jemanden auszulachen ist ein absolutes No-Go, genauso wie sich selbst ins Rampenlicht zu stellen und mit seinem Erfolg zu prahlen.
„Übe Gelassenheit in Sieg und Niederlage.“
Sei nicht neidisch auf andere und deren Glück. Gönne ihnen ihren Erfolg. Versuche mit dem was zur Verfügung steht auszukommen. Sei erfinderisch. Mit einfachen, nicht kostspieligen Dingen, kann man oft dasselbe Ergebnis erreichen.
9. Ehrlichkeit
Die Lüge und die Zweideutigkeit werden auch als Feigheit bezeichnet. Ohne Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit ist die Höflichkeit nur Heuchelei. Ehrlichkeit bedeutet nicht, sich erfolgreich durch ein oder zwei heikle Situationen zu manövrieren. Ehrlichkeit ist eine Lebenseinstellung.
Die Angst vor Konsequenzen und davor getadelt zu werden, verführt so manchen zu Unehrlichkeit. Unaufrichtigkeit zerstört das Vertrauen, das andere in einen haben. Sobald man einmal gelogen hat, wird alles was man sagt angezweifelt. Das Vertrauen zwischen dem Judoka und Trainer oder zwischen den Trainingspartnern wird zerstört. Es behindert das eigene Vorwärtskommen.
Besser ist, der Schüler erzählt dem Trainer unter vier Augen ehrlich was passiert ist und der Trainer schweigt darüber und schenkt seinem Schützling sein Vertrauen.
Manchmal entstehen Konflikte. „Gehe ich heute Mittag zum Training oder ziehe ich es vor mich mit Freunden/ Freundinnen zum Spielen zu treffen?“ Letzteres würde bedeuten, dass mich der Trainer zum bevorstehenden Wettbewerb nicht einsetzt. Wähle ich die Trainingsteilnahme wird der Freund oder die Freundin sauer sein. Der junge Sportler muss ganz allein diesen Konflikt lösen und ehrlich seine Entscheidung vertreten.
Der liebenswerte Judoka ist bemüht aufrichtig, ehrlich und fair zu sein, wie er es selbst von seinen Judokameraden erwartet. Diese werden ihm Respekt zollen, was ihm wiederum ein starkes Selbstwertgefühl verleiht.
Ehrlichkeit steigert die Verbundenheit.
„Achte alle diese Werte und Du findest nicht nur Freunde auf der Judomatte sondern auch im täglichen Leben!“
10. Freundschaft
Im Judo wird ein freundschaftlicher Umgang miteinander zur Selbstverständlichkeit. Neuankömmlinge werden manchmal als unbekannte Eindringlinge von der Gruppe abgelehnt oder nur zögerlich aufgenommen. Es bedarf einer gewissen Zeit der Unterstützung vom Trainer die Integration in Gang zu bringen. Gelingt die Integration nicht, besteht die Gefahr, dass das sich Kind zurückzieht. Es wird unfähig Rollen anderer einzunehmen. Ein Judoka muss die Rolle seines Gegners übernehmen können. Dieser Prozess der Rollenübernahme legt vor allem im Alter von 6 bis 11 Jahren den Grundstein für die Leistungsentwicklung.
Trainerinnen und Trainer respektieren die Würde der ihnen anvertrauten Kinder. Alle werden unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, sozialer und ethnischer Herkunft, Religion, politischer Überzeugung oder wirtschaftlicher Stellung gleich und fair behandelt. Trainer und Übungsleiter erziehen zur Eigenverantwortlichkeit und zur Selbständigkeit auch in Hinblick auf das spätere Leben.